Zurück zur Küste (unser Höllentrip)

Frühstücken, zusammenpacken, auschecken, wir treten die Fahrt zurück zur Küste an. Unterwegs noch ein kurzer Halt in Geraldine, um den Plan für den Peel Forest zu erstehen, dann wandern wir den angeblichen Walking Track, der sich am Ende als Tramping Track herausstellt. Kurz nachdem wir im Auto sitzen beginnt der große Regen, der bis zum Abend anhält. Nach der Wander(tor)tour haben wir uns das Abendessen im Restaurant verdient!

Wir haben unsere Vorräte fast aufgebraucht, sind geübt im Zusammenpacken, um 10:30 Uhr beginnt der Rückweg. Es ist stark bewölkt, und hat sich erst auf 18 °C erwärmt. Über den gut ausgebauten SH 8 führt der Weg zurück bis Fairlie, dann biegen wir in den kleineren SH 79 nach Geraldine ab. Im Town Centre des 2.200 Einwohner Dorfes herrscht reges Treiben, im Visitor Centre erhalten wir die Broschüre Peel Forest Park Track information des DOC, den wir beim obligatorischen Cappuccino eingehend studieren. Der Walking Track "Allans Track" führt an dem Weg zu den Acland Falls vorbei und über den Fern Walk zurück zur Te Wanahu Flat. Auf dem Rückweg kann man evtl. noch den 30 min. Big Tree Walk mitnehmen, um den 1000 jährigen Totara Baum zu sehen, mit 9 m Umfang. Auf dem Plan ist es genau erklärt: "walking track - well formed track, suitable for most ages", das trauen wir uns schon noch zu.

Der Peel Forest ist einfach zu finden, wir haben mal wieder eine Seite mit den notwendigen Infos vom Block abgerissen und nach etwa 18 km stehen wir auf dem Parkplatz des Te Wanahu Flat, packen die Rucksäcke und los geht's. Die Hüte lassen wir zurück, auf einem Walking Track reichen auch die Joggingschuhe bzw. Trecking Sandalen. Der Pfad steigt die ersten Meter moderat an, überall zirpt es, man fühlt sich wie inmitten der Südfranzösischen Grillen, es duftet intensiv. Schon nach kurzer Zeit wird der Weg steiler, einige Stufen sind angelegt, der Pfad gewinnt sehr schnell an Höhe, wir geraten leicht außer Puste. Über die Erläuterung auf den größeren Tafeln "for all fitness levels" machen wir uns langsam lustig, aber es dauert nur 10 Min. bis wir die erste Abzweigung zu den Wasserfällen erreichen. Einige Min. laufen wir den Falls entgegen, als es steiler bergab geht kehren wir um - wir wollen ja nicht leichtfertig an Höhe verlierensmiley.

Der Allans Track führt durch dichten Wald, es scheint in letzter Zeit nicht allzu viele Wanderer auf diesen Pfad verschlagen zu haben, überall hängen die Spinnweben von den Bäumen und über den Weg, mit der Zeit kribbelt es überall. Die kurze Hose war wohl doch eine Fehlentscheidung, Heiko hätte auch den Hut besser aufgezogen, um nicht überall hängen zu bleiben. Lautes Vogelgezwitscher begleitet uns, es ist ein beeindruckender dichter Wald mit Totara, Kauri und Kahikatea Bäumen, lt. Reiseführer ein Steineibenwald (was immer Steineiben sein mögen). Es scheint wohl in letzter Zeit geregnet zu haben, die Schlammlöcher und Pfützen mehren sich mit der Zeit, der Pfad wird schmaler, die Steigung nimmt unangenehme Formen an, teilweise klettern wir auf allen Vieren über Steine oder Wurzeln. Bei der Wegbeschreibung stand etwas von "peak" an der ersten Abzweigung - es geht dennoch fast durchgehend bergauf, links der Abgrund, vor uns der Schlamm, rechts der Berghang. Nach einer Stunde sind wir ziemlich geschafft von dem anstrengenden Weg, jetzt noch mal umzukehren ist aber auch sinnlos - außerdem wissen wir ja jetzt, was dann auf uns zukommt. Der anfängliche Humor wird immer schwärzer bis die Stimmung leicht umschlägt. Wir wollten eigentlich nur mal so 2 Stündchen durch den Wald spazieren und die Landschaft genießen. Die Shirts sind komplett durchgeschwitzt, die Haare kleben am Kopf, und kein Ende in Sicht. Das Schlammbad meiner Füße ist nicht wirklich erholsam, die Beine werden so richtig von schwarzem Schlamm überzogen, die Sandalen brauchen wohl hinterher eine Generalüberholung. Mit Joggingschuhen ist es aber nicht wirklich besser, die Jeans kann man aber wenigstens noch soweit hochkrempeln, dass nur die Socken versaut werden.
Kaum zu glauben aber wahr, nach weiteren 1,5 Stunden haben wir die zweite Abzweigung erreicht. Und hier kommt auch die Auflösung: das ist gar kein Walking Track - das ist ein Tramping Track - "limited track formation, average fitness required" - das haben wir gemerkt. So richtig bitter wird es, als ein Mitt-Siebziger mit großen Schritten (zu unserer Entschuldigung: er hatte Wanderschuhe an und Stöcke bei sich!!!) von oben auf uns zu gestürmt kommt, kurz ein Schwätzchen hält und den Track weiter springt - gehen kann man das nicht mehr nennen. Der hätte uns glatt über den Haufen gerannt. Noch stärker deprimiert - aber immerhin insoweit aufgebaut, dass der folgende Streckenteil wirklich einfacher zu wandern ist, - begeben wir uns auf den zweiten Teil des Tracks, erst relativ steil nach unten, wobei einige Teilstücke des Allan Tracks wesentlich heftiger waren, dann nach links auf den Farnweg, der größtenteils gut präpariert durch einen faszinierenden Farnwald führt, das entschädigt doch wieder für die erste Hälfte. Gegen Ende des Weges zieht starker Wind auf, die Temperatur kühlt rapide sehr stark ab, wir beeilen uns, ans Auto zurück zu kehren, die Wolken sind inzwischen bedrohlich dunkel und ziehen dicht über den Peel Forest, der obere Teil des Weges ist bereits im Nebel verschwunden.

Kurz nach der Abfahrt zurück nach Geraldine und dann Richtung Timaru fängt es an zu regnen. Das Thermometer im Auto sinkt von anfänglich 26 °C auf 16 °C ab, offenbar ist die Temperatur innerhalb von 3 Stunden um 10 °C gefallen! Vom Rückweg nach Timaru haben wir nicht allzu viel mitbekommen - wir wollten nur noch eine heiße Dusche. Da sich der Regen so richtig eingependelt hat, sparen wir uns den Weg zum Supermarkt und genießen die Knoblauch getränkten Speisen des Restaurants, das dem Motel angeschlossen ist.