Karlstad (1.11. - 1.12.)

Wir sind noch in Karlstad, haben bis zum 1.12. verlängert. Es ist tatsächlich eine sonnige Stadt, allerdings gibt es auch Regen. Da wir bereits einige Berichte von niedrigem Grundwasser gelesen, gesehen und gehört haben ist es wohl tatsächlich so: die Natur braucht den Regen! Unser Problem dabei ist nur, dass der Campingplatz bei längerem Regen durchaus ziemlich nasse Abschnitte aufweist. Wenn man Wert auf einen ebenen Platz legt, dann sammelt sich das Wasser dort ganz gezielt. Das schmatzende Geräusch, wenn man aus dem WoMo aussteigt und auf bzw. in dem Wasser läuft ist immer wieder aufs Neue faszinierend. Jetzt verstehe ich auch, warum viele Camper Holzclogs tragen: die sind mit hohen Absätzen ausgestattet so dass die Füße länger trocken bleiben. Bei dem feuchten Wetter kann man auch nachvollziehen, dass finnische WoMos üblicherweise mit Klimaanlage ausgestattet sind: diese braucht man, um die Feuchtigkeit aus dem Wohnraum heraus zu kriegen.

Gestern gab es den ersten Schnee-Einbruch in Schweden. Ein kleiner Streifen auf der Höhe von Stockholm quer durch das Land ist davon verschont geblieben, die Nachrichten zeigen Bilder von herrlich weiß verschneiten Wäldern nördlich und südlich. Wir freuen uns, dass wir unser Quartier momentan in dem kleinen Streifen dazwischen aufgeschlagen haben, hier gab es nur Regen, der inzwischen den sonnigen Abschnitten gewichen ist. Jetzt hoffen wir, dass das Wasser möglichst schnell abtrocknet sodass die Hubstützen nicht am Boden fest frieren.

Ungewöhnlich hier ist die Definition von Allerheiligen. Das ist am Samstag nach dem 1.11. um keinen Feiertag während der Woche zu haben. Deshalb gibt es auch keinen genauen Termin für Halloween, das erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Der Campingplatz hat am Wochenende 4. und 5.11. Angebote, wahrscheinlich wird es dann wieder voller. Seit Sonntag, 31.10. wird im Supermarkt Weihnachtsdekoration angeboten, für Halloween ist auch einiges an Süßigkeiten und Verkleidung im Sortiment. Momentan gehen wir noch davon aus, dass nach Halloween doch noch Schokoladen-Weihnachtsmänner in das Angebot aufgenommen werden. Da in Deutschland spätestens im September die Auslagen bereits vollständig auf Weihnachten ausgerichtet sind fühlt es sich hier seltsam an, Anfang November gerade mal zwei (!) unterschiedliche Adventskalender nach längerem Suchen gefunden zu haben, aber noch keinen einzigen Schoko-Weihnachtsmann. Die Hoffnung auf Lebkuchen haben wir inzwischen feierlich begraben. Und für den Adventskalender bietet Karlstad eine geniale Alternative mit einem Schokoladen-Cafe, ähnlich wie Bitter und Zart in Frankfurt, allerdings mit Eis und etwas weniger Sorten Pralinen.

Karlstad (1.10. - 1.11.)

Der Sturm verzieht sich, zurück bleibt der strahlend blaue Himmel und herrlicher Sonnenschein! Unsere Schwedisch Lehrerin hatte gesagt, dass es heißt, Karlstad sei die sonnigste Stadt Schwedens. Wir hoffen sehr, dass sie Recht behält, die erste Woche lässt sich die Sonne auf alle Fälle nicht beirren, wir sehen keine einzige Wolke. Das können wir nach dem Regen im August sehr sehr gut brauchen und auch richtig genießen. Erst mit ausgedehnten Spaziergängen, wir wollen die direkte Umgebung erkunden, ab Mittwoch haben wir ein Auto gemietet. Bei der Übergabe heißt es, dass sicherheitshalber die Winterreifen montiert wurden, es war nachts ja schon kälter. Und so fahren wir zum ersten Mal mit Spikes. Auf dem Asphalt klingt das äußerst seltsam, so richtig wohl fühlen wir uns nicht dabei. Bei unserem Ausflug nach Sunne stellen wir dann glücklicherweise fest, dass wir nicht die Einzigen sind, die bereits die „Winterreifen“ ausgegraben haben. In Sunne ist gerade großer Markt, die Innenstadt - besser gesagt das Zentrum - ist bevölkert von Menschen aus der näheren und weiteren Region, überall sind Stände aufgebaut für Kleidung, Strümpfe, Handschuhe, Felle. Selbstverständlich gibt es auch Süßigkeiten, zu unserer großen Freude hat auch Lillängen einen Stand aufgebaut. Das ist ein Bauernhof mit Ziegen, Schafen, Kühen und Hühnern, bei denen wir schon oft vorbei gefahren sind und allerlei verschiedenen Käse mitgenommen haben. Das Ganze mit einem äußerst unkomplizierten Konzept: ein Raum mit Kühlschränken, in dem die verschiedenen Käse angeboten werden, eine Waage, eine Preisliste, ein Taschenrechner und ein Block, auf dem man aufschreibt, was man mitgenommen hat und wie viel das kostet. Offenbar funktioniert es, es scheint zumindest nicht allzu viele Betrüger zu geben, die das offen liegende Geld mitnehmen, das finde ich sehr gut. Abgesehen von dem sehr schmackhaften Käse.

Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich eine Kreuzspinne, diese muss ich natürlich ebenfalls gleich festhalten, auch wenn sie auf der Markisenmatte sitzt.

 

Falun (29.9. - 1.10.)

Der modrige Geruch von Brackwasser in Söderhamn lässt uns nach drei Nächten wieder aufbrechen, jetzt verlassen wir die Küste und fahren ins Inland. Wir waren vor 3 Jahren bereits in Falun, allerdings hatte es damals geregnet, der Campingplatz war stadtnah mit engen Plätzen und stark frequentiert, wobei wir jetzt wissen, dass ALLE Campingplätze in den Sommerferien sehr stark belegt sind. Diesmal testen wir den anderen Platz, der an einem wunderschönen See liegt und zu unserer Überraschung gar nicht so weit vom Stadtzentrum entfernt ist, nur knapp 4 km. Das nutzen wir dann auch für einen schönen Spaziergang, der allerdings von stürmischem Wind begleitet wird, der uns am Seeufer richtig durchbläst. Die Innenstadt gefällt uns dafür sehr viel besser dieses Mal und wir entdecken auch mehr oder weniger kuriose Sehenswürdigkeiten. Auf dem großen Marktplatz steht eine Statue von Engelbrekt Engelbrektsson - wer auch immer das sein mag - und am Fuße der Statue soll eine Bank zum Ausruhen einladen. Allerdings steht sie derartig schräg, dass ich das unbedingt festhalten muss, auch wenn mich die Statue nicht so unglaublich fasziniert. Außer einem guten Cafe entdecken wir noch zwei Käseladen, stellen fest, dass der große Bauernmarkt nicht am Freitag sondern am Samstag statt findet, da sind wir also einen Tag zu früh, und vollenden die Runde am Seeufer entlang zurück zum Campingplatz.

 

Söderhamn (26.9. - 29.9.)

Der Weg nach Söderhamn ist nicht weit, wir kommen am frühen Nachmittag auf der Halbinsel direkt an der Ostsee an. Der Platz liegt in Sandarne, also nicht direkt in Söderhamn. Wir finden einen Platz in der Sonne, was inzwischen etwas schwieriger wird. Die Campingplätze sind meistens von Bäumen umsäumt oder durchzogen, was im Hochsommer sehr vorteilhaft ist. Jetzt im Herbst steht die Sonne sehr tief und kommt über die hohen Bäume kaum noch drüber, deshalb wählen wir keinen Platz direkt am Strand sondern mitten drin, am weitesten von den Bäumen entfernt. In der Nachsaison sind die Plätze billiger, hier gibt es auch ein Sonderangebot für 3 Nächte bleiben, 2 Nächte zahlen. Die erste Dusche fällt bei mir lauwarm aus, glücklicherweise funktioniert zumindest eine der drei Duschen dann doch richtig und die nächsten beiden Morgen beginnen mit einer heißen Dusche. Das Problem haben wir in Schweden schon öfter mitbekommen, es hat keine Tradition, etwas gleich zu reparieren, wenn es kaputt geht. Es dauert immer etwas länger, bis ein Schaden behoben wird. Dass sich das auch auf Dächer bezieht haben wir in Gargnäs gehört. Warum sollten kaputte Dachziegel ausgetauscht werden, es liegt doch eine Plastikfolie darunter, da kann es ja gar nicht rein regnen. „Jätte konstigt“ würde man auf schwedisch dazu sagen.

Von Sandarne aus fährt (stündlich) ein Bus nach Söderhamn und wir testen - schon zum zweiten Mal - den öffentlichen Nahverkehr. An der Bushaltestelle steht auf dem Fahrplan drauf, dass es sich um Cirka-Zeiten handelt, man sollte mit einigen Minuten vorher und nachher kalkulieren. Bar kann man im Bus nicht zahlen, einen Automaten gab es nicht, und wir hatten Glück, dass es auf der Fahrt Richtung Söderhamn nicht möglich war, mit der Kreditkarte zu zahlen „Det fungerar inte“, das funktioniert nicht. So haben wir erst auf der Rückfahrt erfahren, dass eine einfache Fahrt pro Person 4,50 € kostet - ich finde, das ist genug für ein Retour-Ticket. Der Ort Söderhamn ist von einem Fluß durchzogen, der ins Meer führt, mit einem netten kleinen Hafen. Dort ist auch ein „Campingplatz“ gelegen - einige Parkplätze mit Stromanschluss, an denen man max. 3 Tage stehen darf, mit Frischwasseranschluss und einer Toilette. Das Städtchen sieht ganz einladend aus, wir finden auch eine gute Konditorei mit Blick auf einen Aussichtsturm. Der kurze Platzregen kommt genau zur rechten Zeit, während wir uns einen Kaffee schmecken lassen, danach können wir noch einen ausgedehnten Spaziergang am Fluß entlang genießen. Auf dem Rückweg sind auch einige andere Fahrgäste im Bus, das Angebot wird also doch angenommen.

Auf der Halbinsel lässt es sich auch schön spazieren gehen, auch wenn das Naturschutzgebiet eingezäunt ist. Es gibt schön angelegte Wege und auch ein Badestrand, viel Gebüsch und Wald - wir kommen endlich mal wieder aus der Bude raus und können Sonnenschein und frische Luft tanken.

Sundsvall (23.9. - 26.9.)

Der Platz in Sundsvall ist zwar verkehrsgünstig gelegen, d.h. man hört den Verkehr sehr laut, aber der terrassenförmig angelegte Platz hat seinen Reiz. Man kann sehr schön spazieren gehen zu den nächsten Orten, Richtung Sundsvall im Norden kehren wir an der Metallverarbeitenden Fabrik um, Richtung Süden führt der Rad- und Fußweg „Strandleden“ erst an der Bucht entlang, dann an einer chemischen Fabrik vorbei. Wenn man das mal hinter sich hat findet man noch ein wunderschönes Plätzchen an der Ostsee in einer Bucht, windgeschützt und (endlich) mit herrlichem Sonnenschein. Das ist schon eher nach unserem Geschmack. Vielleicht kann man ja mal mit dem Bus nach Sundsvall reinfahren, zum Spazieren ist es doch etwas zu weit - dachten wir. Als am Nachmittag eine Gruppe von Transportern auf dem Campingplatz einfällt, „The Best of British“, überlegen wir noch einmal genauer. Es sind zu meinem Glück wieder ausschließlich Männer, so dass die Damenabteilung des Sanitärgebäudes nicht „betroffen“ ist - in der Nebensaison sind einige Toiletten / Duschen abgeschlossen, was die Reinigung vereinfacht und das Gedränge am Morgen erhöht. Viele Menschen auf wenigen Sanitäreinheiten verteilt bedeutet auch ein höheres Schmutzpotential, was vor allem von männlichen Gruppen intensiv ausgeschöpft wird. Das, was mich tatsächlich tangiert, sind allerdings die Fahrzeuge, die die Gruppe auf den Plätzen direkt um uns herum verteilen. Deren Kühlaggregate übertönen sogar noch den Verkehrslärm der Autobahn! Deshalb streichen wir den Ausflug nach Sundsvall und entscheiden uns, weiter nach Söderhamn zu fahren.