Endlich geschafft! (2.11.2017)

Die letzten Tage des Kurses sind ganz besonders hart, es ist morgens noch dunkel, wenn wir uns auf den Weg machen und der Nachtfrost macht es auch nicht leichter. Wir finden heraus, dass die Standheizung des Autos nur dann aktiviert werden kann, wenn der Tank nicht bis auf die Reserve leer gefahren ist. Nur nicht dumm sterben! Glücklicherweise gibt es ja auch noch die Sitzheizung, da werden nur die Hände am Lenkrad kalt - was Heiko aber nichts ausmacht;-)

Und dann ist es soweit, wir fahren nach Sunne um uns den Prüfungen zu stellen. Am Donnerstag, 26.10. ist die Prüfung für das Leseverständnis. Erst haben wir 60 Minuten Zeit um das Heftchen mit etwa 20 Seiten durchzulesen. Es sind mehrere unterschiedliche Texte, der letzte und komplizierteste handelt von den letzten Tagen der Sophie Scholl. Dann gibt es eine 15 minütige Pause, und anschließend 100 Minuten, um Fragen zu den Texten zu beantworten, u.a. gibt es auch einige Multiple-Choice-Fragen. Es gibt insgesamt 52 Punkte, für die meisten Antworten sind zwei Punkte vorgesehen. Auf dem Weg nach Hause gleichen Heiko und ich unsere Antworten ab - wir können auf alle Fälle nicht beide die volle Punktzahl erhalten…

Am nächsten Tag steht dann das Schreiben im Vordergrund: wir erhalten drei Themen zur Auswahl, eine Kurzgeschichte, einen argumentierenden Text oder einen Brief an die Schuldirektion. Wir bekommen 300 Minuten Zeit, plus 20 Minuten Pause, die wir dazu nutzen herauszufinden, dass der komplette Kurs - außer Mohammad - einen Brief an den Rektor bzw. die Rektorin schreibt. Heiko und ich empfinden es als schwieriger, diesmal nicht am Computer schreiben zu dürfen, wir müssen alle handschriftliche Papiere abgeben. Aber danach ist wenigstens erst mal Wochenende.

Die letzte Prüfung findet dann am Dienstag, 31.10. statt. Laut Lehrer ist das die Prüfung, die uns am besten liegt, das Sprechen. Ehrlicherweise können wir nicht wirklich erkennen, dass das unsere beste Kenntnis sein soll, aber vielleicht will er uns auch nur Mut machen. Wir bekommen alle sechs unterschiedliche Texte, die wir innerhalb von 30 Minuten lesen und verstehen sollen. Dann setzen wir uns alle im Kreis, ich darf als Erste beginnen und lese die (vorgegebene) Zusammenfassung für die anderen vor. Ich empfand den Text als ziemlich kompliziert, ich musste einige Worte nachschlagen und mich ziemlich anstrengen, alles zu verstehen. Mir war nicht klar, wie die anderen den Text verstehen können sollen anhand der kurzen Zusammenfassung, aber gut. Und dann fing die lustige Fragerunde an. Eine Diskussionsfrage war vorgegeben, die ich auch vorlesen durfte, anschließend meine persönliche Meinung dazu kundtun also erst einmal selbst beantworten durfte - und dann alle meine MitstreiterInnen der Reihe nach befragen durfte. Was ich machen soll, wenn ich merke, dass jemand die Frage nicht versteht und auf etwas ganz anderes antwortet, das war vorher nicht vorgegeben worden. Na ja, ich habe offenbar nicht richtig erklärt, worum es ging und habe das noch mal versucht und die Frage anschließend wiederholt. Offenbar ging das in meine Beurteilung schlussendlich nicht ein, in meine Zusammenfassung der Diskussion habe ich den Beitrag unerwähnt gelassen und war unglaublich erleichtert, als es dann endlich vorbei war. Heiko durfte als Zweiter ran, noch vor der Pause. Er konnte es offenbar besser erklären wobei eine eindeutige Stellungnahme schwierig ist, wenn nach Vor- und Nachteilen gefragt wird. Alles in allem haben wir uns gut geschlagen, niemand ist durchgefallen, und am Donnerstag besprach unser Lehrer auch mit den Einzelnen ausführlich die Ergebnisse. Heiko und ich haben beide das Triple-A mit der Gesamtnote A geschafft, das ist doch eine gute Voraussetzung, den nächsten Kurs in Angriff zu nehmen.

Schwedischkurs (30.10.2017)

Auch wenn wir schon in Deutschland an der VHS angefangen haben schwedisch zu lernen - es ist immer wieder eine Herausforderung sich mit Schweden zu unterhalten. Richtig schwierig ist es mit dem Mobiltelefon zu telefonieren, ganz besonders mit echten Värmländern. Das Värmland liegt an der norwegischen Grenze und der norwegische Einfluss ist überall zu hören und zu spüren. Leider hat das mit der Standardsprache Schwedisch nicht so richtig viel zu tun…

Wir haben uns also auf den Weg gemacht um hier an dem Schwedischkurs für Einwanderer (Svenska för invandare SFI) anzumelden. Die erste Hürde: die Öffnungszeiten sind an der Tür veröffentlicht und gelten eher manchmal. Wir haben fünf Versuche benötigt, bis wir zur richtigen Zeit vor Ort waren. An einigen Tagen ist vormittags an anderen nachmittags geöffnet, zwischen zwei und vier Stunden. Allerdings gibt es da noch Brückentage (klämdagar), Weiterbildungen oder kurzfristige Änderungen von nachmittags auf vormittags. Offenbar ist der Aufwand, das ganze im Internet anzukündigen zu hoch. Auch im Gemeindeblättchen - immer wieder gerne gelesen, alles Wichtige wird dort bekanntgegeben, von den Gottesdiensten über die Speisepläne für den Mittagstisch bis zu Weihnachtsmarkt und Bestellungen für Bio-Lammfleisch - wird über Öffnungszeiten nicht geschrieben. Aber im Juni war es endlich soweit, wir dürfen Schwedisch lernen. Die Einstufung verlief in Form eines kurzen Gesprächs mit den beiden Kursleitern und wir wurden informiert, dass wir entweder in den D-Kurs oder in Svagrund kommen. 

Die Aufteilung der Kurse ist landesweit einheitlich geregelt: A-Kurs für Analphabeten, B-Kurs für alle, die schreiben können ohne oder mit niedrigem Schulabschluss im Heimatland, C-Kurs für alle mit Schulabschluss für akademische Ausbildung, D-Kurs für alle mit akademischer Ausbildung. Svagrund kommt dann danach und ist die Basis für die weiteren drei Stufen, die man benötigt, um in Schweden studieren zu können. Woher die Namen Sva grund, Sva 1, Sva 2 und Sva 3 kommen wissen wir nicht so genau, wahrscheinlich die Abkürzung für ”svenska” also schwedisch. Auf Internetseiten liest man immer nur von SAS (svenska som andra språk - Schwedisch als Fremdsprache) aber wir haben uns auch daran gewöhnt. Und der Kurs, mit dem wir begonnen haben, war dann auch svagrund.

Das Heftigste an dem Kurs: er beginnt morgens um 8 Uhr! Bei einer Anfahrtszeit von 40 Minuten ist das mal eine echte Herausforderung. Zum Glück gibt es an einem Tag der Woche Heimarbeit, da fahren wir nicht nach Sunne, da können wir etwas entspannter aufstehen und Schwedisch zu Hause lernen.